Ausstellung zeigt ab Sonntag Fotos und Filme

Zeitreise: 375 Jahre Brokser Heiratsmarkt

Neben alten Plänen und Bildern gehören auch betagte Fahrzeuge von Stummers Kinderkarussells zu den Ausstellungsstücken, die Sarah Verheyen vom „TourismusService“, Marktmeister Ralf Rohlfing und Marktforscher Hermann Hamann ab Sonntag im Rathaus präsentieren. Foto: Oliver Siedenberg

Br.-Vilsen - Von Anne-Katrin Schwarze. Das eine Fahrgeschäft befördert einen 40 Meter hoch hinaus, das nächste lässt bisher ungeahnte Beschleunigungskräfte auf einen wirken, das dritte dreht die Gondel horizontal wie vertikal, dass man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Beim Brokser Markt 2020 wird es noch höher, noch schneller, noch verrückter als je zuvor hergehen. Doch bevor sich die Aufmerksamkeit demnächst auf die neuesten Attraktionen richtet, blickt Marktausschussvorsitzender Hermann Hamann zurück. „Zeitreise“ betitelt er die Ausstellung, die ab Sonntag im Rathaus zu sehen sein wird. Dafür hat er Dokumente, Plakate und Fotos aus 375 Jahren zusammengetragen.

„Der Markt ist sicherlich sehr viel älter, aber der erste seriöse schriftliche Nachweis liegt aus dem Jahr 1645 vor“, haben die Recherchen des Hobby-Forschers erst vor wenigen Jahren ergeben. Ein Abbild dieses Schriftstücks ist eines der ausgewählten Ausstellungsstücke. Eine weitere Rarität ist ein Lageplan von 1745. Fast 100 Jahre später zeigt der Marktplan bereits das markante Wegekreuz, in dessen Mittelpunkt heute das Denkmal eine typische Landmarke ist.

Die Heimatforscher Hermann Hamann und Wilfried Müller vom Verschönerungsverein (VVV) haben ungezählte Stunden vor allem im Archiv der Samtgemeinde verbracht, um Material aus 375 Jahren Marktgeschichte zu sichten und zu sammeln. 1885 ist erstmals die Brokser Familie Stummer als Schausteller genannt, seit 1888 ist die Asendorfer Landwehrmann-Dynastie beim Jahrmarkt vertreten, belegen die Recherchen. Der Begriff Heiratsmarkt ist eine Erfindung des Hoyaer Wochenblatts vom 1. August 1889, beweist ein Zeitungsausschnitt.

Das Karussell der Familie Fischer von 1925. Foto: Samtgemeinde-Archiv

Die Marktgeschichte weist viele Meilensteine auf, für jeden einzelnen hat Hermann Hamann zeitgenössische Dokumente gefunden. Neben Plänen und Plakaten präsentiert er ab Sonntag auch eine Auswahl der ungezählten Fotos. „Um 1900 ist die Aufnahme der Schiffsschaukel von August Stummer entstanden, das ist bisher das älteste Foto zum Markt“, erzählt er. Von 1917 stammt das Bild von Joseph, dem langen Mann, mit einer Körpergröße von 2,39 Metern. Seinerzeit war der Brokser Markt auch schon ein Ort der Attraktionen. Ältere erinnern sich noch an den Zirkus, der Jahr für Jahr auf dem Marktplatz gastierte. Für andere übten die Boxbude oder exotische Tänzerinnen magische Anziehungskraft aus.

Der Vieh- und Pferdemarkt findet um den 24. August herum statt. Dieser Bartholomäustag gab dem Markt lange seinen Namen. Nach der anstrengenden Erntezeit ließen sich die Menschen dort ablenken und unterhalten, während sie sich mit neuem Hausrat eindeckten und Tiere für eine gute Mark verkauften.

Mit ausgewählten Bildern und in kurzen Texten erzählt die Ausstellung „Zeitreise“ die Geschichte dieses Volksfestes. Nach der Begrüßung durch Flecken-Bürgermeister Lars Bierfischer, hält Hermann Hamann am Sonntag einen einführenden Vortrag, zu dem eine bebilderte Präsentation gehört. Auch der älteste bekannte Film von 1968 wird im Sitzungssaal zu sehen sein.

Bis zum 27. März sind Besucher eingeladen, in den Fluren des Rathauses auf Zeitreise zu gehen. Ab 19. April wird die Ausstellung in erweiterter Form im Alten Gaswerk zu sehen sein, bevor sie während des Marktes, erneut ergänzt, direkt auf dem Marktplatz präsentiert wird. Der Eintritt ist frei. Die Eröffnung findet um 15 Uhr statt.

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