Wenn Goldnuss, Waldmeister und Lakritze auf der Zunge zergehen

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Lakritzbonbons mit einem Kreuz drauf – das traditionelle Marktbonbon.

Sulingen - Die 40 Kilogramm schwere und 130 Grad heiße Masse aus Zucker und Glukosesirup hat es in sich: Wer sie auf dem Kühltisch mit Aromen vermengt, braucht jede Menge Kraft in den Armen.

Die hat Anatoli zweifellos: Langsam lässt der Mitarbeiter der Firma „Fischer fine sweets“ 40 Gramm Chlorophyllin auf die Masse tropfen und rührt es anschließend ein.

Das natürliche Blattgrün sorgt für die grüne Farbe – und schließlich für leckere Waldmeister-Bonbons. Die werden bei „Fischer fine sweets“ in Sulingen in Handarbeit hergestellt und auch auf dem Brokser Heiratsmarkt verkauft. „Dort haben wir einige Kunden“, erzählt Matthias Merkle beim Rundgang durch die Produktion.

Das Gebäude ist neu, erst seit 2006 hat die Firma darin ihren Sitz. Die Maschinen indes sind schon betagt. „Da werden wir oft belächelt, und man sagt: ‚Ihr seid doch ein funktionierendes Museum‘“, sagt der Geschäftsführer. Der 30-Jährige aber weiß es besser: „Wir nutzen die volle Leistung der Anlagen immer noch nicht aus.“ Es bestünde also noch mehr Bonbon-Potenzial in Sulingen. Außerdem bergen die betagten Anlagen einen weiteren Vorteil: „Wir sind damit sehr flexibel, können schnell auf Wünsche unserer Kunden reagieren – und die Maschinen sogar noch selbst reparieren.“ Mithilfe dieser Anlagen werden aus dem Waldmeister-Klumpen Bonbons. Zunächst wird der Grundstoff für alle Bonbons aus Zucker und Glukosesirup geschaffen. Nach der Vermengung mit Zitronensäure und Waldmeister-Aroma hilft das Aromen-Einrührgerät, den Geschmack auch noch bis in die letzte Ecke des süßen Klumpens zu befördern.

Kaum zu glauben: Aus dieser Masse werden einmal die Bonbons.

Ein Rundkneter bringt die Masse dann richtig in Form – und mithilfe einer speziellen Schere trennt Mitarbeiter Anatoli den süßen Berg in kleinere Stücke. „Die Schere ist fast so alt wie ich es bin“, sagt er schmunzelnd und legt die Stücke in die nächste Maschine ein. Hier drückt ein Kegelroller die Masse platt – und dann werden die Bonbons auch schon in Form gepresst. Am Ende der Maschine rollen sie fertig und noch immer warm vom Band – frischer kann man Bonbons nicht naschen. Auch wenn die Herstellung einfach klingt, so hat sie dennoch ihre Tücken: „Das unterschätzen viele und sagen: ‚Das ist ja nur ein Bonbon.‘“, sagt Matthias Merkle.

Bunte Bonbons aus der Manufaktur

Bunte Bonbons von "Fischer fine Sweet"

Eine Süßigkeit wie die Goldnuss aber hat es in sich: Immerhin besteht sie aus vier verschiedenen Lagen. Ein spezieller Produktionsprozess steckt dahinter. „Das ist das stärkste Bonbon, was wir haben“, sagt Merkle. Mehr als 100 Sorten Bonbons werden in Sulingen gefertigt, die Schausteller greifen auf besondere Sorten zurück. So stapeln sich Goldnüsse, Waldmeister-Bonbons und Lakritze in Fünf-Kilo-Beuteln im Lager – das sind Gebindegrößen, die die Großkunden für die Märkte benötigen. Die Lakritze mit dem Kreuz drauf ist das wohl klassischste Markt-Bonbon. Auch Mandeln werden in Sulingen gebrannt. Obwohl viele Schausteller noch selbst brennen, kaufen sie häufig Mandeln zu. Wer dagegen als Endkunde nur kleine Bonbon-Mengen benötigt, wird im Sulinger Werksladen oder im Internet-Shop fündig.

Für ständigen Nachschub sorgen insgesamt 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen beschäftigt. In diesem Jahr stößt ein Auszubildender dazu, der dort zur Fachkraft für Süßwarentechnik in der Fachrichtung Zuckerware ausgebildet wird. Er steigt dann in die Produktion ein, die täglich eineinhalb Tonnen Bonbons herstellt. Eine Menge, die bei großen Süßwarenfirmen in einer halben Stunde über vollautomatisierte Bänder läuft. In Sulingen dagegen geht man es ruhiger an, hier zählt vor allem die Handarbeit. Und die Offenheit: „Viele Hersteller mauern, wir aber verstecken uns nicht“, sagt Merkle, der gerne Betriebsführungen anbietet. Zudem führt er eine Tradition fort, die 1948 in der Sandstraße ihren Anfang nahm. Seit damals gibt es eine Bonbon-Manufaktur in Sulingen. Das soll auch so bleiben, trotz der Insolvenz, die „Fischer fine sweets“ aufgrund von Einnahme-Ausfällen Mitte Juli anmelden musste. Die Merkles wollen sich neu aufstellen und ihr Unternehmen fortführen. Damit süße Naschereien auch in den nächsten Jahrzehnten noch in Sulingen hergestellt werden.

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