Schausteller Ralf Böker: Geboren auf dem Kramermarkt

Stammgäste im Kinderkarussell

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Die Polizei muss mit: Beim Kinderkarussell von Ralf Böker fahren die Einsatzkräfte in Blau mit Fahrradfahrern und dem ADAC um die Wette.

"He! Ihr da auf den Motorrädern - fahrt nicht zu schnell!", "Du da im Polizeiwagen - wo bleibt die Sirene?" - Wenn Ralf Bökers jungen Fahrgäste ihre Runden drehen, ist der Kinderkarussell-Betreiber mit vollem Stimm-Einsatz dabei. Viele Familien sind bei ihm Stammgäste, erzählt Böker.

Seit er 16 Jahre alt ist, führt der Schausteller sein eigenes Karussell. "Mein Vater hat es mir übergeben", erzählt er. "Vor 50 Jahren war ich damit das erste Mal auf Tour, auf dem Stoppelmarkt in Vechta." Rund 40 Jahre ist er auch beim Brokser Heiratsmarkt vertreten. Die Atmosphäre auf beiden Märkten ist für ihn etwas ganz besonderes: "Der Markt in Bruchhausen hat einen gewaltigen Stellenwert. Wegen der kurzen Zeit, die er dauert, wissen die Leute ihn ganz besonders zu schätzen.

Polizeiwagen, Feuerwehr oder Omnibus - in den größeren Fahrzeugen dürfen auch Erwachsene einsteigen.

In Ralf Bökers Familie dreht sich im wahrsten Sinne des Wortes alles um die Schaustellerei. Sein Vater war auf den Volksfesten zu Hause, sein Großvater ebenso. An der Seite seiner Frau Petra, die er praktisch noch im Sandkasten kennen lernte, ist er dieser Tradition gefolgt. "Ich bin in einem Wohnwagen geboren worden, auf dem Kramermarkt in Oldenburg", sagt er. Was blieb da anderes übrig, als selbst ins Schausteller-Geschäft einzusteigen?

Ralf Böker junior sitzt seinem Vater in Broksen gleich gegenüber - als Betreiber des "Top-In"-Autoscooters.

Apropos Schausteller: Nicht nur Ralf Böker und seine Frau, die wenige Meter entfernt einen Mandelwagen betreibt, leben für den Markt: Beide Söhne folgen ihren Eltern: Ralf junior zum Beispiel betreibt gemeinsam mit seiner Frau Bettina den "Top In"-Autoscooter, der in Broksen ebenfalls nur wenige Schritte vom väterlichen Kinderkarussell entfernt steht. "In den Ferien haben ich bereits als Achtjähriger bei meinem Vater kassiert", erzählt der Sohn.

Sorgen um die familiäre Schausteller-Tradition muss die Familie im übrigen wohl nicht haben: Tochter Emily kam vor fünf Wochen auf die Welt und ist somit die jüngste Schaustellerin auf dem Markt. Das kleine Mädchen ist das dritte Enkelkind des stolzen Großvaters, der von seinem Kassiererhäuschen aus gerne und ausgiebig über das Mikrofon mit den Kindern in Kontakt tritt und diese immer wieder humorvoll zum Hupen und zum Klingeln auffordert.

Viele Besucher kommen gerne wieder: Am selben Tag, im nächsten Jahr oder wenn sie Ralf Böker auf anderen Märkten wiedersehen.

"Die finanziellen Bedingungen sind schwerer geworden", gibt Ralf Böker zu. "Aber die Leute kommen immer gerne zu uns. In Vechta wurde unser Karussell gerade vom dortigen Marktmeister als schönstes und sauberstes Fahrgeschäft ernannt." Damit gegen 19 oder 20 Uhr, wenn das Geschäft am Kinderkarussell endet, ein erfolgreicher Tag zu Buche steht, schwört Ralf Böker auf Freundlichkeit und "Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen", damit die Leute gerne zu ihm kommen.

So fahren Eltern selbstverständlich kostenlos mit. Darüber hinaus hat der Schausteller immer ein aufmerksames Auge, damit keine Tränen fließen oder sich die Mitfahrer verletzen.  "Das alles habe ich von meinem Vater gelernt", sagt er. Und tatsächlich: Diese Tugenden, das scheint auf dem Brokser Markt offensichtlich, sind auch 2013 keineswegs überholt, das Karussell wird gut besucht. kom

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