Justizministerin Niewisch-Lennartz eröffnet Brokser Heiratsmarkt / 400000 Besucher sind das erklärte Ziel

„Mir macht es Spaß, den Hut aufzuhaben“

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Die Justizministerin kann mit dem Hammer umgehen: Das bewies sie beim Fassanstich im Remmer-Zelt.

BR.-VILSEN - Von Regine Suling. Sie war innerhalb von 30 Jahren erst die zweite Frau, die als Heiratsvermittler fungierte: Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz trug Zylinder, Kette, Handschuhe und Schal mit Würde und noch dazu gerne – und gab gestern Nachmittag den Startschuss für fünf tolle Tage auf dem Brokser Heiratsmarkt.

„Mir macht es Spaß, wenn ich den Hut aufhabe“, sagte die ehemalige Verwaltungsrichterin und frisch gebackene Heiratsvermittlerin. Sie gestand: „Manchmal vermisse ich meine Robe.“ Äußere Zeichen seien wichtig, sagte sie, und ermunterte mit einer launigen Rede all jene, die noch nach dem oder der Richtigen suchen, sich auf dem Heiratsmarkt genau umzuschauen. Früher habe man beispielsweise verheiratete Frauen an der Haube auf ihrem Kopf erkannt. Das habe es leichter gemacht, potenzielle Heiratskandidatinnen zu identifizieren. Das sei heute zwar anders. Dennoch biete der Heiratsmarkt nach wie vor einen Vorteil: „Hier kann man eine Ehe auf Zeit eingehen“, sagte sie und fügte augenzwinkernd hinzu: „Das hat Präventionswirkung.“

Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch war glücklich, die Justizministerin nach Bruchhausen-Vilsen gelockt zu haben. „Wir haben uns letztes Jahr auf dem Maschseefest in Hannover getroffen.“ Da habe Antje Niewisch-Lennartz ihm die Zusage gegeben.

Mit dem Brokser Heiratsmarkt verbindet die Grünen-Politikerin auch ein ganz professionelles Interesse. Denn als Richterin am Verwaltungsgericht in Hannover hat Antje Niewisch-Lennartz bereits in der Vergangenheit mit dem Brokser Markt zu tun gehabt, als es um die Klage eines Autoscooter-Betreibers ging, der mit der Standplatzvergabe des Fleckens nicht einverstanden war. Deshalb schaute sie gestern vor Ort ganz genau hin. „Körperlich war ich zuvor zwar noch nie hier, in Gedanken aber schon oft“, spielte sie auf diese Episode an.

Überhaupt gab sich die Justizministerin von ihrer humorvollen Seite. Rhetorisch gewandt, locker, manchmal hintergründig und mit dem nötigen Drive bestritt sie die Markteröffnung, den darauf folgenden Fassanstich im Remmer-Zelt und auch ihre Rede rund um die Ehe und deren Tücken. So sollten ihrer Ansicht nach die Feiernden auf dem Markt dem Lied „Geh‘ mal Bier holen“ von „Chansonschreiber“ Mickie Krause nicht all zu viel Glauben schenken, in dem es heißt „Geh mal Bier holen / Du wirst schon wieder hässlich / Ein, zwei Bier und du bist wieder schön“. „Die Ernüchterung kommt unweigerlich, und dann muss die Justiz helfen, das Elend beiseite zu schaffen.“ Antje Niewisch-Lennartz riet den Gästen dringend, auf dem Heiratsmarkt auf Probe zu heiraten. Ein Test könne sich lohnen. „Denn die lebenslange Ehe hält laut Statistischem Bundesamt 14 Jahre und acht Monate.“

Über die frisch gebackene Heiratsvermittlerin, die einen guten Job machte, freute sich auch Fleckenbürgermeister Peter Schmitz. „Sie ist nicht nur eine Volljuristin, sondern auch eine Vollblutjuristin.“

Peter Schmitz würdigte zudem die vielen kleinen und großen Jubiläen, die in diesem Jahr auf und rund um den Brokser Heiratsmarkt gefeiert werden. Seit 30 Jahren ernenne man Heiratsvermittler, seit 30 Jahren gebe es den Musikladen auf dem Markt. Und der sonntägliche Gottesdienst feiere in diesem Jahr ein echtes Jubiläum: Er finde zum 25. Mal statt. „Donnerwetter, de Tied lööpt hin, sagt da mancher“, erklärte Peter Schmitz. Zudem existiere das Gasthaus Mügge seit nunmehr 200 Jahren – und auch die Marktgäste sollten einen Rekord brechen. „Unser Ziel sind 400000 Besucher“, gab Peter Schmitz die Devise aus, in den nächsten Tagen möglichst oft zum Brokser Heiratsmarkt zu kommen. „Keine Angst, Sie werden jedes Mal wieder gezählt“, ermunterte er die Gäste.

Ulf-Werner Schmidt, stellvertretender Landrat, bezeichnete sich selbst als Kind des Brokser Markts und dankte der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt aus der Ferne dafür, dass die Sommerferien in diesem Jahr so günstig liegen. Diesen Wunsch habe man in der Vergangenheit vorgebracht, wohl eher mit einem Augenzwinkern. „Jetzt ist das umgesetzt worden“, sagte Schmidt grinsend. „Feiert toll“, rief er den Besuchern zu.

Brokser Heiratsmarkt ist eröffnet

Der Freitag auf dem Brokser Heiratsmarkt

Brokser Heiratsmarkt ist eröffnet Teil II

Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch dankte Marktmeister Ralf Rohlfing und seiner Kollegin Kristina Meyer für die gute Vorbereitung des Markts. „Das habt ihr super gemacht“, lobte der Verwaltungschef, der seit 2000 die Heiratsvermittler mit den Insignien der Macht ausstattet. Er hatte für Antje Niewisch-Lennartz einen guten Tipp parat: „Als Heiratsvermittlerin brauchen Sie sich nicht an den Koalitionspartner wenden.“ Ihr neues Amt könne sie völlig frei ausüben. Nur wenige Augenblicke später ertönten die drei Böllerschüsse: Damit war der Brokser Heiratsmarkt eröffnet.

Quelle: www.kreiszeitung.de

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