Verein stellt Markttor auf

Schausteller-Branche ohne Perspektiven - und ohne den Brokser Markt 2020

Die Mitglieder des Schaustellervereins Bruchhausen-Vilsen machen sich Sorgen um ihren Beruf. Aufgeben wollen sie aber nicht.
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Die Mitglieder des Schaustellervereins Bruchhausen-Vilsen machen sich Sorgen um ihren Beruf. Aufgeben wollen sie aber nicht.

Bruchhausen-Vilsen – Es dient nicht nur der Erinnerung an den ausgefallenen Brokser Markt. Der Schaustellerverein Bruchhausen-Vilsen hat jetzt das Markttor mit Hilfe der Feuerwehr auf dem Markplatz aufgestellt, um auch auf die sehr kritische Situation einer gesamten Branche aufmerksam zu machen.

„Wir haben ein theoretisches Berufsverbot“, sagte Lars Stummer, Vorsitzender des Schaustellervereins, mit ernster Miene. Die staatliche Unterstützung sei zwar da, „aber 3000 Euro im Monat sind einfach zu wenig“, sagte er. „Wir haben einen Verdienstausfall von 100 Prozent“, erklärte der Vorsitzende die Situation. Die Finanzrücklagen seien nun bald aufgebraucht.

Und so blicken die Schausteller mit Angst auf das Jahresende. „Wir haben im Moment keine Perspektiven. Wenn die Weihnachtsmärkte auch wegfallen, dann sehe ich schwarz für unseren über 2000 Jahre alten Beruf“, sagte Henry Ingo Stummer.

Festival in Bruchhausen-Vilsen, Niedersachsen:Brokser Heiratsmarkt
Adresse: Am Marktpl., 27305 Bruchhausen-Vilsen
Telefon:04252 391218

Schaustellerverein enttäuscht von der bundesweiten Politik

Enttäuscht ist der Schaustellerverein von der bundesweiten Politik. „Uns sind die Hände gebunden“, meinte Henry Ingo Stummer. Während Menschen seit geraumer Zeit wieder dicht an dicht in Flugzeugen sitzen dürfen, sei es weiterhin verboten, Karussells aufzustellen. „Wo ist da die Gerechtigkeit?“, fragte er klagend.

Dabei seien Abstände besonders in Kinderkarussells problemlos einzuhalten. „Wir brauchen Zahlen und Fakten, um zu zeigen, dass eine Kirmes nicht gefährlich ist“, meinte er. Aber dafür müsste es Pilotprojekte geben, die genau so etwas beweisen würden. „Wir hätten uns gewünscht, dass wenigstens die kleinen Märkte der Region stattfinden dürfen“, sagte Lars Stummer. Dort hätte man testen können, ob es im Rahmen der Corona-Krise möglich wäre eine Kirmes zu veranstalten, und ob auf Märkten eine hohe Ansteckungsgefahr herrsche – oder eben nicht. „Aber wir werden von der Politik nicht richtig angehört“, ergänzte Henry Ingo Stummer. „Wir sind die Profis, aber werden nicht um Rat gefragt.“

Dennoch kommt aufgeben für die Schausteller der Region nicht infrage. „Wir wollen in Erinnerung bleiben“, sagte Lars Stummer. Dabei soll auch das Markttor helfen. „Wir werden weiter demonstrieren und gegebenenfalls lauter werden“, kündigte Henry Stummer an. Ohnehin sei die Familie Stummer trotz des theoretischen Verdienstausfalls nicht untätig gewesen: Die Schaustellerfamilie suche weiter nach Lösungen. „Ich habe zum Beispiel ein fünftägiges Hygieneseminar für Veranstaltungen in Braunschweig besucht“, sagte er und ergänzte: „Wir setzen uns mit der Situation auseinander.“

Pop-Up-Parks unter strikten Corona-Bedinungen derzeit sehr gefragt

Auch sogenannte Pop-Up-Parks, zeitlich begrenzte und mobile Parks mit strikten Hygiene- und Abstandskonzepten seien derzeit im Kommen. „Da sind wir dran“, sagte Lars Stummer. Henry Stummer ergänzte: „Wir arbeiten zurzeit daran, die Genehmigung für einen Pop-Up-Park zu bekommen. Wir sind guter Dinge, dass wir so etwas veranstalten dürfen.“

An den Brokser Heiratsmarkt werde so ein Angebot allerdings nicht herankommen. „Natürlich ist der ideelle Wert unseres Marktes nicht zu ersetzen“, meinte Marktmeister Ralf Rohlfing, der sich vor Ort ein Bild vom aufgestellten Markttor machte.

Auf emotionaler Ebene sei der Wegfall nicht nur für die Schausteller ein herber Verlust, sondern für jeden Einwohner und sogar darüber hinaus: „Weggezogene nehmen sich extra für den Markt Urlaub und kommen nach Hause“, meinte Ralf Rohlfing. Das Wiedersehen mit alten Freunden und der Familie müsse in diesem Jahr zwar nicht unbedingt ausfallen, aber zumindest auf dem Brokser Heiratsmarkt sei das nicht umsetzbar.

„Das Wichtigste ist allerdings, gesund zu bleiben, und dass wir uns alle wiedersehen werden“, sagte der Marktmeister abschließend – die Gesundheit der Mitmenschen stehe nach wie vor an erster Stelle.

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