Seit 20 Jahren verantwortlich

Meister ohne Markt: Ralf Rohlfing vermisst den Heiratsmarkt-Trubel

Ralf Rohlfing kümmert sich als Marktmeister des Fleckens bereits seit rund 20 Jahren um die Planung und Organisation des Brokser Heiratsmarkts.
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Ralf Rohlfing kümmert sich als Marktmeister des Fleckens bereits seit rund 20 Jahren um die Planung und Organisation des Brokser Heiratsmarkts.

Br.-Vilsen – Wenn Ralf Rohling in diesen Tagen am Denkmal steht, ist seine Stimmung getrübt. „Sein Wohnzimmer“, wie er den Marktplatz nennt, sieht derzeit ganz anders aus, als er es kennt. Ihm fehlt der Trubel, der Geruch. Ihm fehlt der Anblick leuchtender Kinderaugen, die aufblitzen, wenn sie zum ersten Mal das Riesenrad sehen. Ihm fehlt die Atmosphäre, die bekannten Gesichter der Schausteller und Gäste, die Gespräche mit den Kollegen, der ganze Rummel drumherum.

Kurz gesagt: Ralf Rohling vermisst „seinen“ Brokser Heiratsmarkt, der ursprünglich am 27. August eröffnet werden sollte.

Seit 20 Jahren kümmert er sich als Marktmeister des Fleckens Bruchhausen-Vilsen bereits um die Veranstaltung. Unterstützt wird er dabei von seinen Kolleginnen Christina Wendt, Sarah Verheyen und Jasmin Beuße. „Ich fahre fast jeden Tag mit dem Rad hier lang und manchmal, ja, da führe ich Selbstgespräche mit dem Marktplatz. Das mag verrückt klingen, aber so ist es“, gibt er etwas verlegen zu.

Zwar überkommen den 50-Jährigen auch ansatzweise Glücksgefühle, wenn er aktuell durch die Gassen des BruVi-Parks schlendert, doch der Pop-up-Park sei nicht vergleichbar mit dem Brokser Heiratsmarkt. „Absolut nicht. Es ist nur ein minimaler Ersatz für die Gäste, aber auch für die Schausteller“, betont Ralf Rohling. Doch trotzdem juckt es ihn in den Fingern. Am liebsten würde der Marktmeister mit anpacken, so wie er es vom Brokser Heiratsmarkt gewohnt ist. Doch die Organisation haben dieses Mal andere übernommen. Mit so wenig um die Ohren, weiß der Marktmeister gar nicht umzugehen. „Ich frage mich jetzt, wie ich, beziehungsweise wir das in den vergangenen Jahren geschafft haben.“

„Nach dem Markt ist vor dem Markt“

So wie er es sagt, klingt es nach einem ganzen Berg Arbeit. Und das ist es auch. Alles, was nur in geringster Weise mit dem Brokser Heiratsmarkt zu tun hat, landet normalerweise auf seinem Schreibtisch. Und Ralf Rohlfing kümmert sich. „Nach dem Markt ist vor dem Markt. Die neuen Planungen starten direkt im Anschluss.“ Beispielsweise trudeln dann schon die Bewerbungen der Händler, Gewerbetreibenden und Schausteller für das kommende Jahr ein. Im Februar gehen die ersten Zusagen raus. „Das muss immer eine Mischung aus Bewährtem und Neuem sein. Wenn beispielsweise der ,Schinderhannes‘ fehlen oder gar an einer anderen Stelle stehen würde, führt das zu Chaos“, weiß der Marktmeister aus Erfahrung. Alles komplett auf den Kopf zu stellen, wäre sowohl ein Problem für die Schausteller als auch für die Gäste. „Das würde sich bei den Umsätzen bemerkbar machen.“ Aktuell ist das jedoch das geringste Problem der Schausteller. „Gerade ist es, glaube ich, allen egal, wo sie stehen, wie das Wetter ist oder ob Gäste betrunken gegen ihr Geschäft urinieren. Hauptsache sie sind wieder am Start.“

Um die 540 Geschäfte sind auf dem Marktplatz unterzubringen. Damit das auch alles passt, muss vorher ausgemessen werden. Ralf Rohling und sein Team kümmern sich gemeinsam mit den zuständigen Mitarbeitern unter anderem um die Wege- und Verkehrsführung, die Organisation von Wasser- und Abwasser, die Pyrotechnik und die Parkplatz-Planung. Weiterhin stehen sie in Kontakt mit der VGH, den Taxen, müssen der Presse Rede und Antwort stehen, sich mit dem Landkreis auseinandersetzen und gemeinsam mit der Politik einen geeigneten Heiratsvermittler finden. Ferner sind Lösungen für den Müll zu finden, Gespräche mit den Anliegern sind zu führen, Toilettencontainer müssen bestellt und allgemein die ganze Logistik organisiert werden. „Mit all den Leuten, mit denen man in diesem Zusammenhang zu tun hat, baut man auch irgendwann eine zwischenmenschliche Beziehung auf. Diese Freundschaften und Kontakte fehlen momentan einfach.“

Kurz bevor es in die Vollen geht, wird der Marktplatz noch hergerichtet und das Gras gemäht. „Ich kann ihn dann riechen“, meint Ralf Rohling und muss selber über seine Worte lachen, so wie es dann auch stets seine Kollegen tun. Rund vier Wochen vorher sei der Marktmeister „gesellschaftlich tot“. Das sagt jedenfalls seine Frau immer. Dann hat er nur noch den Brokser Heiratsmarkt im Sinn. „Ich fahre nicht mehr aus dem Ort, lasse den Marktplatz nicht allein“, gibt er zu. Gemeinsam mit seinem Team zieht er kurz vorm Start ins Jugendhaus, um direkt vor Ort zu sein, falls dem Markt etwas passieren sollte. Schließlich sind kurze Weg goldwert.

Freitags zur Markteröffnung ist aller Stress vergessen

Wenn es endlich so weit ist und freitags der Markt öffnet, dann ist für Ralf Rohling der ganze Stress vergessen. Er blickt in die strahlenden Gesichter, die erkennen lassen, dass er es mit seinem Team wieder einmal geschafft hat, dass die Gäste für ein paar Tage ihren Alltag vergessen. „Das ist das allergrößte Lob.“

Auch wenn das für viele nach einem Haufen Arbeit klingt, für Ralf Rohling ist das sein absoluter Traumjob. „Es ist eine Lebensphilosophie für mich. Kein Beruf, sondern eine Berufung.“ Seinen ganzen Jahresablauf hat er auf den Brokser Heiratsmarkt ausgerichtet. „Ich hatte in 19 Jahren noch nie im Sommer Urlaub. 2020 war jetzt das erste Mal.“ Wegen der Pandemie muss Ralf Rohlfing erneut ohne die Veranstaltung auskommen.

Aber was macht ein Marktmeister ohne Markt? Neben diesem ist Ralf Rohlfing auch für den Feuerwehrbereich zuständig, betreut den Gemeinderat in Schwarme und hilft den Kollegen bei der Kommunalwahl. Doch die Markt-Planungen für 2022 laufen bereits. Er und sein Team wollen nämlich endlich wieder Gas geben. Angst, dass die Veranstaltung nicht wieder in Gang kommt, hat er nicht. Schließlich ist der Brokser Heiratsmarkt Tradition. „Wir müssen die Leute wieder herlocken und wollen daher verschiedene Aktionen anbieten“, verrät er. Trotzdem wird wohl vieles anders sein. Denn einige Schausteller hätten sich aufgrund der Folgen der Pandemie anders orientieren müssen oder seien mittlerweile in Rente gegangen. „Zudem sind viele Originale verstorben, weswegen es einen Generationswechsel und damit einige neue Gesichter auf dem Markt geben wird.“

Und was ist mit dem Jubiläum? Wird es nachgeholt? „Das muss noch beraten werden“, meint Ralf Rohling und lässt sich nicht weiter in die Karten schauen. Aber eines steht fest: Der Brokser Heiratsmarkts kehrt ans Denkmal zurück, die Frage ist nur, wann.

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