Privat läuft es eher ruhig

DJ und Entertainer Hendrik Treuse bringt jede Party in Schwung

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Den direkten Kontakt zum Publikum mag Hendrik Treuse beim Brokser Heiratsmarkt.

„Meine Freundin macht mit mir Schluss, wenn du den Song jetzt nicht spielst“ oder „Ich muss gleich los“ sind laut DJ Hendrik Treuse so ziemlich die dümmsten Sprüche, die Partygäste sich einfallen lassen, damit ihre Musikwünsche gespielt werden.

Manche halten ihm auch nur wortlos das Smartphone vors Gesicht. „Viele verwechseln DJs mit Jukeboxen. Aber ein Wunsch ist ja nur ein Wunsch, das ist wie beim Weihnachtsmann“, findet Treuse. Seit 25 Jahren gibt der Geschäftsführer eines Hamburger Handelsunternehmens in seiner Freizeit den DJ und Entertainer – nicht nur an Silvester. Der Achimer hat schon fast überall „aufgelegt“ – auf dem Brokser Heiratsmarkt, während des Bremer Freimarkts in der Bahnhofsbar B1, und bei der Schlager-Star-Parade mit etwa 19 000 Besuchern, wo er mit Semino Rossi oder Helene Fischer in der Münchener Olympiahalle die Bühne teilte.

Angefangen hat alles im Spielmannszug des Schützenvereins Baden. Ein Schulfreund, der immer montags zum Übungsabend fuhr, nahm ihn eines Tages mit zum Trommeln. Der kleine Hendrik entdeckte seine Musikalität und wollte weitermachen. Da war sein Großvater, der Multiinstrumentalist Werner Treuse, beim Schützenvolk bereits eine Legende. „Als ich später bei Schützenfesten aufgetreten bin, kannten die Opa alle noch“, erinnert sich Treuse, der im Hessischen Groß Gerau geboren wurde, aber in Achim aufwuchs.

DJ Hendrik in Aktion bei der Freimarktsparty im B1.

Das Musikmachen nutzt der 41-jährige Geschäftsmann, der mit seiner Hamburger Firma Speiseöle aufbereitet und innerhalb Europas äußerst lukrativ verkauft, als Ventil: „Dabei kriege ich den Kopf frei.“ Selber geht er allerdings nicht so gerne aus. „Nichts machen und um zehn ins Bett gehen“, so sieht für ihn der perfekte Silvesterabend aus, verrät Treuse.

Erstaunlich unprätentiös blickt er auch auf sein DJ-Dasein: Einen Künstlernamen hat er nicht („Den muss man sonst jedem erklären“) und er hält sich auch nicht für die Nummer 1. „Auflegen? Da gibt es zehn bis 20 Leute, die besser sind.“ Seine Stärke sieht er woanders: „Ich kann Leute emotional weiterbringen und anheizen.“

Bei den Badener Schützen lernte er von DJ Heiko die ersten Kniffe, um Partygäste zum Tanzen zu bringen. Ende der 90er-Jahre lernte Treuse Bernhard Helmke, den Chef des Partyzelts „Musikcontainer“ vom Brokser Heiratsmarkt, kennen. Treuse besuchte das Domgymnasium in Verden und, wie es der Zufall wollte, befand sich gegenüber der Schule die Kneipe von Helmke, wo der 16-Jährige manchmal seine Freistunden verbrachte. Helmke half Hendrik Treuse, sein Talent weiterzuentwickeln. „Vor allem in Richtung Entertainment. Bernhard hat mir gezeigt, wie man seine Stimme am Mikrofon einsetzen kann.“ Der Rest kam von „ganz viel machen“.

Über Weihnachten auf Stippvisite in Achim, hier im Esszimmer der Eltern.

Dabei müsse man als DJ „wie ein Kapellmeister“ alles im Blick haben, was im Saal passiert, verrät Hendrik Treuse. Und manchmal empfiehlt es sich sogar, die Stimmung runterkochen zu lassen: „Wenn das DJ-Entertainment zu gut ist, verdient der Wirt kein Geld.“ Ein zu hoher Alkoholpegel kann hingegen die Partystimmung kippen lassen – „dann hauen sich die Leute auf die Omme.“

Treuses größte Veranstaltung war ein Schlager-Event, mit dem er in der Olympiahalle München gastierte. Zwischen drei großen Showblöcken sollte er den Partygästen mit seinem DJ-Set einheizen – vor 12 500 Leuten. Zuvor habe man ihm Anweisungen erteilt, wie er sich auf der 25 Meter langen und 15 Meter breiten Bühne bewegen sollte. „Ich war aufgeregt!“, erinnert sich Hendrik Treuse. Beim Countdown „3-2-1-Go!“ habe er sich noch gedacht „Machste die Musik schon mal an“. Zu seiner Überraschung öffneten sich im hinteren Teil der Halle die Tore, und Menschen strömten herein wie Wasser nach einem Dammbruch. Umso ernüchternder die Situation, als er eine Stunde später in der Pause zwischen zwei Acts dran ist und sich die riesige Menschenmenge beinahe geschlossen aus dem Raum herausschiebt.

Da sei ihm die familiäre Atmosphäre beim Brokser Markt schon lieber. „Die Distanz ist nicht so groß, du kannst besser agieren, bist näher am Publikum dran.“

Fast alle Verträge per Handschlag

Beinahe alle Verträge fürs Party-Engagement macht er formlos per Handschlag. Viele Wirte gingen einfach stillschweigend davon aus, dass er im nächsten Jahr wieder die gleiche Show bringt, erzählt er. Das funktioniere gut – Treuses Entertainment-Qualitäten sprechen sich auch so herum. So begleitete er schon mehrfach die NDR1-Niedersachsen-Sommertour mit Alphaville und weiteren Größen vergangener Tage.

Auch hauptberuflich hilft ihm sein außergewöhnliches Hobby, verbessere das Selbstbewusstsein und mache dadurch beruflich erfolgreicher. Ewig weitermachen will er als DJ allerdings nicht – auch weil sein Hauptberuf ihn mehr und mehr in Anspruch nimmt. „Früher machte ich 80 bis 100 Veranstaltungen pro Jahr, heute noch 20 bis 30.“ Maximal bis zur nächsten Null will der 41-Jährige noch weitermachen. Es sei eben eine Branche, in der Alter wenig zähle: „'Kennen Sie Usher?' hat mich mal eine Frau am DJ-Pult gefragt. Das sagt eigentlich schon alles.“

Langfristig sucht Treuse daher einen Nachfolger, den er sogar einarbeiten würde, vor allem für die Partys beim Brokser Heiratsmarkt. Wer Interesse und Talent hat, kann sich bei ihm unter der E-Mail-Adresse hendrik.treuse@web.de melden.

Welches Lied darf bei keinem Jahreswechsel fehlen? „Da würde ich mich für eine Ballade entscheiden, zum Beispiel ‘Ich liebe das Leben’ von Vicky Leandros“, sagt er. Wenn man allerdings die Partystimmung auf der Tanzfläche von Null auf Hundert bringen will, gäbe es nur eine Allzweckwaffe: „Das ist leider meistens Helene“, sagt er und lacht. Letztlich sei die Titelwahl aber nicht entscheidend. „Ich feiere jedes Lied mit. Weil ich feiere, was ich mit den Leuten zusammen erlebe.“

Von Lisa Duncan

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