Geburtsstunde des Heiratsmarktes liegt im Dunkeln/Trotzdem: 2020 Jubiläum

Markttreiben schon zur Zeit Karls des Großen?

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Dem Gründungsdatum des Brokser Heiratsmarktes auf der Spur: (v.l.) Professor Bernd Ulrich Hucker, Samtgemeinde-Archivar Karl Sandvoß, Bürgermeister Bernd Bormann, Marktausschuss-Vorsitzender Hermann Hamann und Marktmeister Ralf Rohlfing gestern im Rathaus.

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Im Schatten der Kirche herrscht der Ausnahmezustand: Händler rollen mit ihren Karren heran, Marktschreier bieten seltene Waren feil, junge Frauen staunen über Bänder und Borten – so oder so ähnlich muss es gewesen sein in den Anfangsjahren des Brokser Heiratsmarktes. Weder mit dem Mega-Volksfest von heute noch mit dem Namen hatte dieser Markt etwas gemein. Aber er begründete eine Tradition, die möglicherweise bis in die Zeit Karls des Großen zurückreichen könnte.

Das zumindest ist nach aktuellem Forschungsstand nicht ausgeschlossen – aber alles andere als bewiesen. Denn das Gründungsjahr bleibt im Dunkel der vergangenen 1200 Jahre verschollen. Es gibt keine Urkunde über das Marktrecht, wie sie zum Beispiel die Stadt Verden besitzt: Im Jahre 985 war dem damaligen Bischof das Marktrecht zugesprochen worden – die Geburtsstunde der Verdener Domweih.

Welchen genauen Namen der erste Vilser Markt einst trug, ist ebenso wenig belegt wie sein Geburtsjahr. Aber offenbar stand er unter dem Schutz eines Heiligen: Weil Bartholomäus als Schutzheiliger der Vilser Kirche (heute St. Cyriakus) galt, bürgerte sich der Name Bartholomäusmarkt ein. Markttag war der Bartholomäustag, der 24. August, der bis heute zur Marktzeit in Bruchhausen-Vilsen gehört.

Zumindest aber in einem Punkt muss die Geschichte neu geschrieben werden: Nicht Bartholomäus, sondern der Heilige Martin von Tours war Schutzpatron der Vilser Kirche. Das erklärte Professor Bernd Ulrich Hucker mit Verweis auf eine Urkunde, die der Heimatforscher Hartmut Bösche entdeckt hatte: Ein Darlehensvertrag vom 15. Februar 1525, in dem zweifelsfrei die „Kirchengeschworenen von St. Martin“ für die Vilser Kirche als Vertragspartner genannt sind.

Der Heilige Martin, der als Bischof von Tours einst seinen Mantel mit einem Bettler teilte, war laut Professor Hucker der Schutzheilige der karolingischen Kaiser – die Spur führt also direkt zu Karl dem Großen. Der selbst habe in dieser Region keine Kirchen erbaut, räumte der Mittelalter-Experte mit einem Irrum auf. Aber die Vilser Kirche sei bereits in karolingischer Zeit entstanden. Weil die Kirchen Mittelpunkt des mittelalterlichen Lebens waren, siedelten sich an ihren Mauern die Märkte an, die an genau festgelegten Tagen abgehalten wurden.

Ausgeschlossen ist also nicht, dass die Menschen im Schatten der Vilser Kirche schon vor 1200 Jahren mit Lederwaren, Bändern, Pferden oder anderen Dingen handelten – ganz sicher aber lange vor 1338, wenn man der Argumentation des verstorbenen Heimatforschers Heinrich Bomhoff folgt. Er habe einst einen Beweis dafür entdeckt, so berichtete Professor Hucker, dass die Grafen von Bruchhausen Ständegeld für den Markt erhoben hatten.

Das muss zwingend vor dem Jahr 1338 gewesen sein, denn in diesem Jahr erlosch die Grafschaft.

Zweifelsfrei verbrieft ist nach Auskunft von Samtgemeinde-Archivar Karl Sandvoß ein anderes wichtiges Datum: 1645 war der Markt von Vilsen an seinen heutigen Standort im Herzen von Bruchhausen-Vilsen umgezogen. „Das ist für uns ein offizielles Datum“, bestätigte Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Bormann. Marktausschuss-Vorsitzender Hermann Hamann kann sich gut vorstellen, im Jahr 2020 – exakt 375 Jahre nach dem Umzug – den Heiratsmarkt um einen Jubiläums-Festumzug zu bereichern. Beraten müssten nun die Fachgremien, so Bormann im Schulterschluss mit Marktmeister Ralf Rohlfing.

Bleibt die Frage, wer wann den Begriff „Heiratsmarkt“ erfunden hat. „Das war ein Kollege von Ihnen“, schmunzelte Sandvoß. Demnach war es ein Journalist des Hoyaer Wochenblatts (heute Mediengruppe Kreiszeitung), der diesen Begriff im vergangenen Jahrhundert prägte – offenbar inspiriert von der Tatsache, dass Menschen auf dem Volksfest nicht nur Marktvergnügen, sondern auch die Liebe fanden.

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