„Das Leben ist ein Freizeitpark“

Ein Gottesdienst der besonderen Art im Bruvi-Park

Der Autoscooter verwandelt sich am Sonntag in einen Altar: Pastor Mathias Hartewieg (links) und Schausteller Henry Stummer freuen sich auf viele Gäste.
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Der Autoscooter verwandelt sich am Sonntag in einen Altar: Pastor Mathias Hartewieg (links) und Schausteller Henry Stummer freuen sich auf viele Gäste.

Br.-Vilsen – Am Broksermarkt-Sonntag im Festzelt Gottesdienst zu feiern, ist Tradition. Auch wenn der Markt ausfällt, haben die Organisatoren eine besondere Andacht geplant.

Die Tradition am Sonntag im Festzelt Gottesdienst zu feiern, ist womöglich bereits schon so alt wie der Brokser Heiratsmarkt selbst. Doch der muss in diesem Jahr erneut ausfallen. Das heißt aber nicht, dass auch kein Gottesdienst stattfindet. Ganz im Gegenteil. Gemeinsam mit den Schaustellern organisieren die evangelischen Kirchengemeinden aus Bruchhausen und Vilsen, Schwarme, Asendorf und Martfeld sowie die katholische Kirchengemeinde aus Bruchhausen-Vilsen im BruVi-Park eine ökumenisch-regionale Andacht.

Für Pastor Mathias Hartewieg, der erst im November 2020 seine Stelle in Bruchhausen-Vilsen antrat, ist es das erste Mal. Als Neuling gebührt ihm die Ehre, am Sonntag, 29. August, um 11 Uhr die Predigt zu halten.

Gottesdienst im Biergarten der Familie Stummer

Zusammen mit Henry Stummer ist er das Gelände abgegangen, auf der Suche nach einem geeigneten Plätzchen. Schnell waren sie sich einig. Im Biergarten der Familie Stummer stehen bereits Tische und Stühle für 140 Personen. Zusätzlich wollen die Kirchengemeinden noch weitere Sitzmöglichkeiten sowie die entsprechende Technik mitbringen. Für die richtige Atmosphäre soll sich der Autoscooter in den Altar verwandeln. „Wir rechnen ungefähr mit 300 Leuten“, schätzt Mathias Hartewieg. Angesichts der vielen Menschen, vor denen er am Sonntag sprechen soll, ist er jedoch aktuell kein Stück aufgeregt – und das, obwohl seine Predigt nicht einmal fertig geschrieben ist.

Doch der 31-Jährige hat immerhin schon einige „coole“ Ideen in petto. Auch das Motto des Gottesdiensts steht fest: „Das Leben ist ein Freizeitpark.“ Passend, wie die Schausteller Henry Stummer und Henry Ingo Stummer finden. Wie seine Ideen für die Predigt konkret aussehen, das verrät der Pastor nur recht zögerlich. Schließlich soll es eine Überraschung bleiben. „Die Achterbahn wird Thema sein. Zu ihr lassen sich schöne Parallelen ziehen, denn schließlich gibt es im Leben auch Höhen und Tiefen.“ Auch der Biergarten solle eine Rolle spielen. All die Gedanken, die ihm zwischenzeitlich einfallen, notiert Mathias Hartewieg in seinem Handy, seinem „Ideenspeicher“.

„Wussten Sie, dass der St. Bartholomäus der Schutzpatron des Brokser Heiratsmarkts ist? Und dass der Begriff Kirmes ursprünglich von Kirchmesse kommt?“, fragt Henry Ingo Stummer den Pastor. Beim gemeinsamen Brainstorming kommen noch viele weitere Ideen zusammen. Beispielsweise kommen die Drei darauf, dass sowohl Schausteller als auch die Kirche das Leben feiern. „Außerdem geht man ohne Einladung auf eine Kirmes. Ins Gotteshaus kann ebenfalls jeder kommen“, zeigt Henry Stummer einen weiteren Zusammenhang auf. Noch eine Parallele sehen sie darin, dass die Kirche mit solchen Aktionen aktiv auf die Bürger zukommt. Genauso wie die Schausteller mit ihren Märkten die Menschen in ihren Gemeinden und Städten besuchen. Ob und inwiefern Mathias Hartewieg die Anregungen aufgreift, hören Besucher dann am Sonntag.

Wenn der Predigttext fertig ist, greift er meist noch einmal zum Telefon, und wählt die Nummer eines befreundeten Pastors. „Ich tausche mich mit ihm aus, und wir schnacken über meinen Text.“ Für den „Markt“-Gottesdienst will er sich auf jeden Fall viel Mühe geben. Schließlich ist es etwas ganz Besonderes.

Andacht, Schaustellergebet, Gedenken und Musik

Während der Andacht möchte der Pastor zudem das Schaustellergebet sprechen und den Schaustellern, die in der Zeit der Pandemie verstorben sind, gedenken. Weiterhin steht Musik auf dem Programm. Singen ist wieder erlaubt, und der Posaunenchor der Kirchengemeinde ist mit am Start im BruVi-Park.

Coronabedingt müssen Gäste ihre Maske bis zum Sitzplatz tragen. Ein vorheriger Test ist allerdings nicht nötig. Nur die Kontaktdaten müssen hinterlassen werden. Gäste können dafür entweder einen bereits ausgefüllten Zettel mitbringen oder ein Exemplar vor Ort beschriften. „Wir empfehlen, sich die Luca-App herunterzuladen. So ist das Einchecken noch einfacher“, sagt Henry Ingo Stummer.

Es ist es Mathias Hartwiegs erster „Markt-Gottesdienst“ und das erste Mal, dass er vor so vielen Leute spricht. „Ich habe richtig Bock drauf und freue mich, dass endlich wieder etwas geht, sodass ich die Menschen aus der Gemeinde kennenlernen kann“, sagt er. Auch wenn ihn am Sonntag ein Anflug von Aufregung überkommen sollte, ganz allein wird er nicht sein. Schließlich stehen ihm Pastorin Melanie Simon, Pastorin Meike Müller und Gemeindereferentin Claudia Suffner zur Seite. Gemeinsam wollen sie dann auch ganz traditionell – wie es beim Gottesdienst auf dem Brokser Heiratsmarkt üblich ist – mit einem Bier anstoßen.

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