Hygiene-Konzept muss passen

Freizeitpark statt Brokser Markt: Freigabe für Schausteller-Pläne unter Vorbehalt

Seinen 14. Hochzeitstag hätte Michael Hoppe heute gern auf dem Marktplatz gefeiert, schreibt er bei unserer Leseraktion „Erinnerungen an den Brokser Heiratsmarkt“.
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Seinen 14. Hochzeitstag hätte Michael Hoppe heute gern auf dem Marktplatz gefeiert, schreibt er bei unserer Leseraktion „Erinnerungen an den Brokser Heiratsmarkt“.

In Bruchhausen-Vilsen wird es einen Freizeitpark geben, der anstelle des Brokser Heiratsmarkts organisiert wird. Nun hat die Politik das Marktplatz-Gelände für die Schausteller freigegeben - unter einer Bedingung.

Update vom 28. August: Der Flecken-Rat in Bruchhausen-Vilsen hat beschlossen, dem Schaustellerverein den Marktplatz für einen temporären Freizeitpark zu überlassen, sollte der Landkreis das dazugehörige Hygienekonzept genehmigen.

Originalartikel vom 24. August: Mit einem Überschuss von fast 25.000 Euro habe der Brokser Heiratsmarkt 2019 ordentlich Geld in die Gemeindekasse gespült, hörten die Mitglieder des Marktausschusses von Marktmeister Ralf Rohlfing. Wie immer am Marktmontag, traf sich das Gremium im Gasthaus Schröder-Mügge, um an Ort und Stelle zu beraten. Die Tagesordnung sieht immer auch einen Rundgang über den Platz vor. „Den schenken wir uns“, entschied Vorsitzender Hermann Hamann.

„In diesem Jahr ist alles anders“, hatte der Marktmeister zuvor ausgeführt. Obwohl der Markt am 16. April aufgrund der Verordnungen des Landes zur Corona-Pandemie abgesagt werden musste, fielen laufende Kosten an. „Mit einem Plus in der Jahresrechnung 2020 ist daher nicht zu rechnen“, so Rohlfing. Erstmals habe er einen kompletten Markt rückabwickeln müssen. „Wir haben 400 Schaustellern abgesagt“, informierte er.

Doch Rohlfing wagte einen Ausblick auf 2021. Wie berichtet, sollen alle Aktivitäten unter dem Motto „375. Brokser Heiratsmarkt + 1“ nachgeholt werden. „Die ersten Bewerbungen liegen bereits vor“, sagte er. Sein Team plane den nächsten Markt „ganz normal“. „Ich gehe allerdings davon aus, dass wir neue Auflagen erfüllen müssen“, meinte er und stellte sich somit auf Änderungen durch das Corona-Virus ein. Die Verwaltung scheue weder Mehrarbeit noch -ausgaben, die dadurch anfallen könnten, versicherte er und äußerte den Wunsch, alle Schausteller mögen die Krise finanziell überstehen.

Brokser Heiratsmarkt: „Ohne Zelte wird es nicht laufen“

„Alle werden es wohl nicht schaffen“, mutmaßte Lars Stummer als Vertreter der Beschicker. Am Beispiel des noch nicht abgesagten Freimarkts machte er die Misere seiner Zunft deutlich. Sollte der Bremer Markt mit 7 000 statt mit 200 000 Besuchern pro Tag stattfinden können, kämen vor allem die Betreiber der Fahrgeschäfte nicht auf ihre Kosten. Auch für die Bierzelte sei kein ausreichender Ertrag zu erwarten. „Und ohne Zelte wird es nicht laufen.“

Doch genau so etwas haben Schausteller aus der Region vor. Wie berichtet, wollen die Mitglieder der Schausteller-Vereine Bruchhausen-Vilsen und Nienburg gemeinsam einen sogenannten Pop-Up-Park auf die Beine stellen. In einem umzäunten Gelände sollen Fahrgeschäfte und Spielbuden aller Art für Unterhaltung sorgen, begleitet von einem markttypischen Angebot an Getränken und Leckereien. „Wie ein Jahrmarkt ohne Zelte“, skizzierte Rockexpress-Eigner Albert Dormeier am Freitag während eines Treffens am Denkmal. Um möglichst vielen Kollegen die Möglichkeit für ein Einkommen zu bieten, werde jede Schaustellerfamilie nur mit einem Betrieb teilnehmen, haben die Vereine miteinander verabredet. Sie hoffen, das Gelände für 700 bis 900 Menschen öffnen zu können.

Freizeitpark statt Brokser Markt über vier Wochen möglich

Ideal sei für sie eine Spielzeit von zehn aufeinanderfolgenden Tagen. Das Land favorisiere jedoch einen Zeitraum von vier Wochen, um Besucherströme zu entzerren. Beim Landkreis liege der Antrag für einen solchen temporären Freizeitpark einschließlich umfassendem Hygienekonzept vor, so Stummer. Nach einem Auftakt auf dem Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen könne der Freizeitpark auf Reisen gehen, wünschen sich die Schausteller. Die Gemeinde als Eigentümerin des Marktplatzes berät am Mittwoch über einen entsprechenden Antrag. „Wir sind vorbereitet, es könnte Mitte September losgehen“, äußerten sich die Schausteller am Freitag.

Darüber hinaus hoffen sie, dass ihnen ein Weihnachtsgeschäft ermöglicht wird. „Stellen Sie sich eine Innenstadt ohne Weihnachtsmarkt vor. Wir locken doch die Kunden an, die würden sonst noch mehr im Internet oder auf der grünen Wiese kaufen“, ist sich Albert Dormeier sicher. Manuel Wißmann, sein Schwiegersohn in spe, erinnert auch an das Los der Zulieferbetriebe. „Ob Zuckerherzen oder Bier, von uns hängt auch deren Umsatz ab“, weiß er.

Brosker Heiratsmarkt: Private Ersatzpartys im Garten

So sehr die Menschen in Bruchhausen-Vilsen und umzu ihren Markt vermissen, so „gesittet“ liefen die „Markttage“ bisher ab, sagte Ralf Rohlfing am Montag. Einige hätten sich bei ihm Plakate geholt für die private Ersatzparty im Garten, andere haben sich Fleisch von ihrer Lieblingsgrillbude bestellt, um auf den Genuss nicht verzichten zu müssen, berichtete er von Aktivitäten. Am Dienstag bieten zahlreiche Lokale im Ort Frühstück für Menschen an, die sich trotz der Absage den Marktdienstag freigehalten haben. Weil es immer so war. Die Polizei überprüft, ob am Marktplatz alle AHA-Regeln eingehalten werden.

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