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Weit über 400.000 Besucher: Verantwortliche ziehen Bilanz des Brokser Heiratsmarkts 2022

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Von: Anne-Katrin Schwarze, Marcel Prigge

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Eine volle Gasse auf dem Brokser Heiratsmarkt 2022
Weit über 400.000 Gäste: So schätzen die Verantwortlichen die Besucherzahlen des Brokser Heiratsmarktes ein. © Prigge

Was war das für ein Brokser Heiratsmarkt? Weit über 400.000 Besucher und Party von früh bis spät – aber auch hohe Preise und wenig zu sehende Corona-Masken bestimmten den Marktbesuch. Die Polizei, Beschicker und das DRK sowie das Marktteam ziehen Bilanz.

Bruchhausen-Vilsen – War das ein Brokser Heiratsmarkt 2022! Wetter ideal, Laune bestens, gar überschwänglich. „Endlich wieder Markt“, Bürgermeister Lars Bierfischer hat damit vielen aus dem Herzen gesprochen. Die Brokser und ihre Gäste haben ausgiebig gefeiert. Doch es war ein anderer Markt nach Corona.

Der andere Brokser Heiratsmarkt: Wenig Corona-Masken, keine Abstandsregeln

Das fürchteten viele. Ausgerechnet an den Pulks in den Gassen, auf den Bänken und Tischen in den Zelten hatte sich jedoch nichts geändert. Die Sorge vor den Viren schienen die Besucher zu Hause gelassen zu haben. Masken, im Gesicht oder im Staub der Wege, hatten Seltenheitswert.

Alle wollten vor allem feiern. Endlich feiern. Nochmal feiern, hörte man aber auch. Bevor der Herbst mit seinen düsteren Prognosen kommt. Bei angenehmster Spätsommersonne dem so viel beschworenen Monstrum aus zigter Welle, Krieg und Krise ein Übermaß an Fröhlichkeit entgegenhalten, bevor „der“ Herbst meteorologisch morgen schon beginnt.

Schausteller des Brokser Markts: „Wir sind zufrieden“

„Wir sind zufrieden“, sagten Lars Stummer und Heinrich Büntemeyer als Sprecher der Schausteller und Wirte. Tatsächlich dürfte es für ihre Branchen ein Fest gewesen sein. Karussells, bei denen eine Fahrt sieben Euro kostete, zu Spitzenzeiten bis auf den letzten Platz gefüllt, in den Festzelten durstige „Partypeople“ gedrängt auf Tausenden von Quadratmetern. Jeder Euro sei den Beschickern gegönnt. Was würde uns fehlen, könnten sie den Markt nicht mehr bespielen. Bei 13 Euro für die Fleischmahlzeit mit Salatbeilage beim Schinderhannes, plus 5 Euro Tellerpfand, da mussten aber viele schlucken, bevor sie dann doch den Geldbeutel zückten.

Zwei Euro für einen Toilettengang: Hohe Preise auf dem Heiratsmarkt trübten die Stimmung

2 Euro, in Worten z-w-e-i, für einen Toilettengang, da hörte der Spaß allerdings auf. Der Marktmeister grätschte dem neuen Dienstleiter an Tag eins dazwischen, handelte ihn auf einen Euro runter, was immer noch doppelt so viel war wie üblich. „Darüber wird noch zu reden sein“, kündigte Ralf Rohlfing an.

Ein Erinnerungsfoto des Markt-Teams in der
Ein Erinnerungsfoto des Markt-Teams in der Fotobox im Brokser-Zelt: Jasmin Beuße, Rabea Barz, Marktmeister Ralf Rohlfing und Christina Wendt (von links). Ob bei offiziellen Anlässen oder bei der Plauderei mit den Schaustellern, immer wieder hieß es: Danke an das Team für diesen tollen Markt. © Gemeinde

„Diese Preise haben viele Besucher verstimmt“, berichtete Norbert Falke, einer der Handwerker in den Gewerbezelten. Dichtsysteme für Fenster und Türen bietet sein Unternehmen an. Er habe viele Kontakte geknüpft und werde nächstes Jahr wieder präsent sein, hieß sein positives Fazit. Zufrieden auch Michael Wojahn, der für die Firma Pallhuber Weine vertreibt. „Man muss immer etwas Neues bieten“, verriet er sein langjähriges Erfolgsrezept.

Personalmangel in den Händlergassen: Heiratsmarkt kämpfte mit Absagen

Obwohl einige bekannte Gesichter in den Gewerbezelten und vor allem auf den Freiflächen fehlten, war es der Gemeinde als Veranstalterin wichtig, nicht auf die Gewerbeschau zu verzichten. „Das bekommt man nie wieder in Gang“, nahm Marktmeister Rohlfing an und ließ es – hoffentlich nur für eine Übergangsphase – lieber etwas ruhiger als gar nicht in den Zelten angehen.

Auf den ersten Blick wie immer, Gedränge beim Pferdemarkt. Wirte und Schausteller sind mit dem Markt zufrieden.
Auf den ersten Blick wie immer, Gedränge beim Pferdemarkt. Wirte und Schausteller sind mit dem Markt zufrieden. © Anne-Katrin Schwarze

Am deutlichsten hatte sich der Markt 2022 wohl in den Händlergassen verändert. Nicht alle Anbieter hatten die Corona-Ausfälle finanziell verkraften können, andere haben sich umorientiert, den nächsten fehlte das Personal, um den Markt zu beschicken. Obwohl das Interesse am Brokser Markt bei den Händlern nach wie vor groß gewesen sei, habe es Nerven gekostet, kurzfristige Absagen noch rechtzeitig zu kompensieren, ließ Rohlfing den Marktausschuss wissen. Für das nächste Jahr erwarte er wieder mehr Vielfalt und auch mehr Qualität in den Händlerreihen, sagte er.

Pött un Pann auf dem Brokser Markt: „So schlecht wie jetzt liefen die Geschäfte noch nie“

Für viele Besucher ist die liebevoll „Pött un Pann“ genannte Händlerreihe einer der Hauptgründe für einen Ausflug nach Broksen. Hosenträger, Küchenmesser, Emailschüsseln, Spezialbürsten bekommt man dort. „Früher gab es ja kaum Läden auf dem Land, heute hat jedes Dorf seinen gut sortierten Supermarkt“, beschrieb Jochen Exner eine Entwicklung, die ihm das Leben schwer macht. Seit den 1970er-Jahren kommt der heute 81-Jährige mit Pflegeprodukten zum Brokser Markt. So schlecht wie jetzt liefen die Geschäfte noch nie, meinte er. Er bedauerte, dass die Landmaschinen-Ausstellung als Puffer zum Markt weggefallen war. Die Geräusche des Autoscooter direkt hinter seinem Stand machten Verkaufsgespräche schwierig.

Von seiner Premiere beim Heiratsmarkt angetan war dagegen Klaus Bredenbeck, der Socken verkauft. Obwohl längst nicht der einzige Anbieter von Strumpfwaren, war er positiv überrascht. Mit dem Pro-Kopf-Umsatz war er zufrieden, wenn er bei der Anzahl der Besucher auch mit etwas mehr Gesamt-Umsatz gerechnet hatte. „Die Leute hier sind nett und aufgeschlossen“, schrieb er den Broksern ins Gästebuch.

Polizei zieht Marktbilanz: Straftaten überwiegend nur im Zusammenhang mit Alkoholkonsum

Und Polizei-freundlich, wie Einsatzleiter Mirco Trümmelmeyer hervorhob. Auch die Polizei zog eine positive Bilanz des Brokser Heiratsmarkts 2022. Den Markt und seine Besucher zu schützen, lag erstmals in Trümmelmeyers Verantwortung. Im Vergleich zu anderen Großveranstaltung lief in Broksen alles „geschmeidig und harmonisch“, ließ er wissen. Die Straftaten hätten überwiegend in Zusammenhang mit Alkoholkonsum gestanden. Ihre Anzahl in Relation zu den Besucherzahlen ergab einen niedrigen „Vorzeigewert“. Zu Details zum Einsatzgeschehen hielt er sich bedeckt, erklärte aber, dass es sich bewährte, wenn die Uniformierten in relativ großen Gruppen Streife liefen. Sechs oder acht Polizisten im Pulk, das mache auf Unruhestifter Eindruck. Diene aber auch der Eigensicherung. Der Anteil der Frauen unter den Kollegen sei groß. „Ich möchte, dass alle gesund nach Hause kommen.“

Drei halbvolle Gläser Bier
Auch in diesem Jahr waren die Marktbesucher auf dem Brokser Heiratsmarkt dem Alkohol nicht abgeneigt. © Prigge

Nur 150 Einsätze: DRK spricht von einem ruhigen Markt

Für das Wohlergehen der Massen fuhr das DRK ganz groß auf. Auf dem angrenzenden Sportplatz hatte es eine taktisch gute Bleibe gefunden. „Die Rettungswagen müssen nicht mehr über den Markt fahren“, war für Einsatzleiter Daniel Glatzel ein großer Vorteil. Bis Montag zeigte seine Statistik gerade einmal 150 Fälle, „ein ruhiger Markt“. Allerdings hatte der Dienstag das Potenzial, den Schnitt von 500 Einsätzen pro Markt zu erreichen. Früher als sonst standen viele nicht mehr sicher auf beiden Beinen, so schien es. „Manche werden gleich aggressiv“, kam es gegen Mittag einem Besucher vor, der sein Dienstag-Debüt kaum in Worte fassen konnte. „Das hatte ich mir so nicht vorgestellt…“

Mehr Fressbuden, weniger Kunsthandwerk, fiel einem Paar aus dem Landkreis Rotenburg auf, die lieb gewonnene stand Fischbude an einem anderen Standort, sagten Syker, gewannen der gezielten Suche aber ab, dass sie manches entdeckten. „Hier sind sehr viele Leute“, so der Eindruck von Gisela und Joachim Hübner aus Verden. „Sie sind wohl alle froh, dass man wieder raus kann“.

Weit mehr als 400.000 Besucher: Sehr gut besuchter Brokser Heiratsmarkt 2022

Weit über 400 .000 Besucher dürften es gewesen sein, auch wenn es ein Ding der Unmöglichkeit ist, das Marktvolk zu zählen. Der Jubiläumsmarkt musste ausfallen, Nummer 377 in der Marktgeschichte aber war sicher einer der bestbesuchten. Den 380. werde Broksen als Entschädigung groß feiern, kündigte Marktausschussvorsitzender Hermann Hamann bereits an. Jetzt aber freut sich alles auf den Markt 2023. Dem stehe nichts im Wege, versicherte Ministerpräsident Stephan Weil bei der Eröffnung. „Punkt“, pflegt man in Bruchhausen-Vilsen hinter solchen Ankündigungen zu sagen.

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