Brokser Markt und die Junggesellen

„Nicht schnacken, heiraten“

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Aenne Templin und Grischa Grabowski sagten bei der Spaß-Trauung „Ja“.

Br.-Vilsen - Von Aenne Templin. „Das sind also die Prachtstücke?“, fragt eine Bekannte neben mir. Sie erntet Gelächter. Ich stehe mit meinen zwei Freundinnen Antje und Inken im Musikladen-Zelt auf dem Brokser Markt.

Die Luft ist stickig, das Stimmengewirr laut, und aus den großen Boxen dröhnt Musik. Auf der Bühne versteigern Bernhard Helmke und Hendrik Treuser die Junggesellen Grischa, Jochen, Martin, Marco und Riccardo. „Die Frage ist doch: Wer ist der Schönste?“, ruft Inken mir zu.

Viel Zeit zum Überlegen und Diskutieren bleibt mir nicht, denn die Fleischbeschau beginnt. Und mir fällt auf: Die Junggesellen-Versteigerung am letzten Markttag zieht nicht nur Frauen an. Das Geschlechter-Verhältnis im Publikum ist ausgeglichen. Als sich zwei Männer neben mir darüber unterhalten, welchen Mann auf der Bühne sie als Frau bevorzugen würden, drehe ich mich irritiert weg. Offensichtlich bin ich hier die einzige mit einem Promille-Wert von 0,0.

Die Junggesellen balancieren gerade auf zwei Bierkästen über den Boden. Martin gewinnt. Das scheint besonders Julia zu beeindrucken. Die junge Zuschauerin bietet 90 Euro und bekommt den Zuschlag. Dass sich ihre Freundin im Publikum mit dem Zeigefinger an die Stirn tippt, verunsichert Julia nicht.

Auch Teilnehmer Marco hat einen Fan: Seine Freundin Friederike zahlt 50 Euro. Jochen und Riccardo sind dagegen Schnäppchen, für je einen Fünfer gehen sie an Katrin und Bettina.

Grischa‘s Preisvorschlag liegt ebenfalls bei fünf Euro. Er trägt einen Anzug und einen Hut. Lustig und besonders sieht er damit aus, seine Lache ist sympathisch. Ich hebe die Hand – und er ist meiner. Das ging einfach. Nachdem alle Männer verkauft sind, drückt uns Festwirt Bernhard Helmke einen Zettel mit Aufgaben in die Hand, die wir bis 14 Uhr erledigen sollen. Fest steht: Wir müssen innerhalb von drei Stunden heiraten. Das ruft in mir, die nicht an die Ehe glaubt, ein ungutes Gefühl hervor.

Doch vor dem „Ja“-Wort bleibt noch Zeit, sich näher kennenzulernen. Grischa arbeitet als stellvertretender Schichtleiter bei Vilsa, kommt aus Bruchhausen-Vilsen und ist 30 Jahre alt. Sein Sternzeichen ist Widder – danach frage ich immer gerne. Obwohl die Antwort irrelevant ist.

Auf meine Frage, warum er sich bei der Versteigerung zur Verfügung gestellt hat, antwortet er: „Ich will sicherer vor einer Gruppe Menschen auftreten können.“ Das erstaunt mich. Ist diese Situation dafür nicht etwas ungewöhnlich? „Nö, das lernt man am besten, wenn man sich blamiert.“ Er gehöre dem Betriebsrat an, habe ihn sogar selber gegründet, und da sei es wichtig, auch das selbstbewusste Auftreten zu beherrschen. Mutig, denk ich.

Nach dem Small Talk widmen wir uns den gestellten Aufgaben. Das Alter eines Unimogs der auf dem Markt ausstellenden Familie Wulfers aus Wackershausen ist leicht herausgefunden, wir erfragen bei Kollegen per SMS den Heiratsvermittler von 1991 (Gerhard Schröder) und erfahren, dass der Brokser Markt früher Bartholomäusmarkt hieß. Ein Besuch der Schießbude steht als nächstes auf dem Plan. Eine rote Rose sollen wir am Ende mitbringen. Mit dem Luftgewehr in der Hand klärt mein Zukünftiger mich gleich über die Sache mit den Kosenamen auf. „Schatzi oder Hasi gibt‘s bei uns nicht“, sagt er, schießt fünfmal und überreicht mir die Blume aus Plastik. Ich – schon ganz Ehefrau – bedanke mich mit einem: „Hast du gut gemacht.“ Und dann kommen wir zum letzten Punkt: die Spaß-Trauung. Oder, wie meine Freundin Antje es ausdrückt: „Nicht schnacken, heiraten!“

Versteigerung der Junggesellen

Die Standesbeamtin bittet uns, eine Kopfbedeckung zu wählen. „Nimm den Hut, nicht den Schleier“, rät mir eine Kollegin. Er fühlt sich erstaunlich gut an. Und dann sage ich, obwohl ich es nie wollte: Ja, ich will. „Die Ehe ist heute um Mitternacht beendet“, steht in meinem Trauspruch.

Als wir zur verabredeten Zeit wieder im Musikladen-Zelt erscheinen, geht alles schnell: Das Sieger-Pärchen werden wir nicht. Und damit endet der Markt gemeinsam mit meiner Ehe. Die Hochzeitsnacht haben wir uns übrigens gesparrt.

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