Markt-Chronik aus dem Jahr 1987

Der Brokser Heiratsmarkt - Ursprung, Geschichte und seine heutige Bedeutung

Bruchhausen-Vilsen - Die Geschichte des Brokser Heiratsmarkts beginnt vor ungefähr 500 Jahren. Der Ursprung der Veranstaltung ist wegen fehlender Urkunden nicht ganz klar. Den Versuch einer Aufarbeitung, der bereits 1987 verfasst wurde, lest ihr hier.

"Die Namensgebung für den Markt mag den Leser dieser kleinen Chronik auf eine falsche Fährte führen. Deshalb sei vorweg gesagt, dass hier keine heiratsfähigen Töchter versteigert oder gar verkuppelt werden, was allerdings nicht ausschließt, dass durch das Marktgeschehen im Laufe der Marktgeschichte manche zarte Bande geknüpft worden sein mögen, die letztlich vor dem Standesamt ihre Legalität erlangten.

Wenn Sie nach dem Ursprung des Markts fragen, so kann mit Sicherheit gesagt werden, dass er seit Jahrhunderten abgehalten wird - so die Überlieferung -, obwohl hierüber Urkundliches leider nicht mehr vorhanden ist.

Der heutige Ortsname des Fleckens "Bruchhausen-Vilsen" dürfte dem Unkundigen im Zusammenhang mit dem "Brokser Markt" einige Rätsel aufgeben. Dazu etwas Geschichte aus dem Bereich der Gemeindepolitik.

Der Markt früher und heute:

Größe des Marktgeländes:

1973 5 ha

2001 6,5 ha

Aussteller:

1973 über 200

2001 über 500

Stromverbrauch während des Marktes:

1973 36.652 kW/h

2001 175.028 kW/h

Dauer des Marktes:

ab 1973: Samstag bis Dienstag

ab 1989: Freitag bis Dienstag

Der heute bekannte Flecken Bruchhausen-Vilsen ist letztlich ein Zusammenschluss von drei bis dahin selbstständigen Gemeinden, die alle die Bezeichnung Flecken führen durften. Es waren die Flecken Bruchhausen (früher auch Alten-Bruchhausen), Moor und Vilsen. Durch den Zusammenschluss der Flecken Moor und Bruchhausen, um die Jahrhundertwende, zu dem neuen Flecken Bruchhausen (im Niederdeutsch oder Platt auch "Broksen" genannt) und schließlich im Jahre 1929 den Anschluss des Fleckens Vilsen zu der heutigen Gemeinde, ergab sich der den Ortsnamen Bruchhausen-Vilsen.

Der Marktplatz lag ursprünglich im Gemeindegebiet des Fleckens Bruchhausen. Daher auch die Bezeichnung "Brokser Markt" in Plattdeutsch. Nun wird Ihnen der Zusammenhang einiger Wortspielereien sicher verständlich sein.

Ankündigungsplakate im Wandel der Zeit

Die Ankündigungsplakate im Wandel der Zeit

Der Marktflecken Bruchhausen hatte vor langer Zeit von seinem damaligen Landesherren das Privileg erhalten, in seinem Gemeindebereich jährlich einen Markt abzuhalten. Der Jahreszeit entsprechend, wurde der Markt offiziell "Bartholomäusmarkt" genannt. Hier durften die heimischen Erzeugnisse der Landwirtschaft und des Gewerbes feilgehalten werden. Fremdländische Waren oder gar solche aus Übersee durften von reisenden Händlern nur an solchen Markttagen dem Käufer angeboten werden. Der Verkauf an der Haustür oder zu anderen Zeiten, als an den Markttagen, war verboten. Das geschah nicht zuletzt zum Schutze des heimischen Handwerks. Sicher war der Markt die Gelegenheit für viele, sich mit Waren aller Art zu versorgen, die der örtliche Handel nicht anbieten konnte.

Auf diesen Märkten wurde vieles verkauft, nur keine Heirat. Wie kommt es nun, dass der Begriff "Brokser Heiratsmarkt" entstand? Es gibt viele Deutungen, doch versuchen wir zu realisieren. Die Markttage galten nicht nur dem Kauf von Waren, sie waren den Menschen auch Anlass für Vergnügen, Spiel und Tanz. Die ländliche Bevölkerung lebt ständig in einer kleinen Dorfgemeinschaft zusammen, ohne die Bewohner anderer Orte zu kennen. Hier war der Markt Mittler und Treffpunkt für Jung und Alt.

Eine nicht verbriefte Überlieferung sagt, dass kluge Köpfe ein Spiel mit Eintrittskarten ersonnen haben, welche Einlass zu den Vergnügungsstätten gewährten. Es wurden Karten in zwei Farben hergestellt, die gleichlautend nummeriert waren. Die Karten der einen Farbe durften nur an weibliche und die der anderen Farbe nur an männliche Besucher verkauft werden. Nun begann das Suchen der Geschlechter nach dem Partner mit der Eintrittskarte gleicher Nummer.

Ob hieraus die Bezeichnung "Heiratsmarkt" entstanden ist, mag dahingestellt sein, sicher ist, dass der Markt durch die Zusammenführung vieler Menschen seinen Teil beigetragen hat.

Im Laufe der Jahrhunderte hat der Markt seine ursprüngliche Bedeutung als reiner Warenumschlagplatz verloren und ist mehr und mehr dem Vergnügen vorbehalten.

Dem "Brokser Markt" kann bescheinigt werden, dass er einer der wenigen Märkte ist, welcher den Charakter eines Jahrmarktes beibehalten hat. Der Viehmarkt, der immer eine große Rolle gespielt hat, ist noch erhalten geblieben, wenn auch in geringerem Umfange. Die Maschine hat viele Vierbeiner abgelöst und deren Platz eingenommen.

In den letzten Jahren hat vor allem das Gewerbe mit seinem breiten Warenangebot die ständig wachsenden Besucherzahlen zum Anlass genommen, auf dem Markt auszustellen. Hier ist eine große Fläche den Ausstellern im Freigelände vorbehalten. Andere Gewerbezweige stellen ihre Erzeugnisse in Ausstellungszelten aus. Erfreulicherweise ist gerade auf diesem Gebiet eine Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen.

Fassen wir zusammen: Der "Brokser Markt" oder der "Brokser Heiratsmarkt", wenn sie so wollen auch der "Bartholomäusmarkt", hat den Besuchern alles zu bieten. Es überwiegt heute das Vergnügen mit seinen vielfältigen Verlockungen.

Wer etwas kaufen will, der findet bestimmt, das, was er sucht. Wer nur etwas sehen will, wird auch auf seine Kosten kommen.

Der Markt hat Geschichte gemacht und wird weiter mit Bruchhausen-Vilsen bestehen. Er zeigt in jedem Jahr ein neues Gesicht und wird immer interessant und aktuell bleiben."

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