Das amüsante Erlebnis zweiter junger Kaufleute aus N., die auch einmal den Bruchhauser Bartholomäusmarkt mitfeiern wollten, wird hier gegenwärtig viel belacht:
In einer eleganten Droschke hatten die beiden Herren die etwa 30 km lange Strecke nach hier zurückgelegt und waren in einem hiesigen Hotel abgestiegen. Nachdem beide sich gehörig gestärkt und ihr äußeres Aussehen einer gründlichen Prüfung unterzogen hatten, steuerten sie dem Marktplatz zu.
Hier dauerte es nicht sehr lange, bis ein jeder von ihnen Begleiter eines hübschen Mädchens vom Lande war. Die kleine Gesellschaft verlebte den Heiratsmarkttag in der vergnügtesten Stimmung, und als die Trennungsstunde gekommen war, ließen es sich die beiden Schwerenöter nicht nehmen, die Damen auch auf dem Wege zu ihrem Heimatdorfe zu begleiten. Die Einwendung der Schönen, dass sie das Anerbieten nicht annehmen könnten, weil die Herren als Unbekannte in hiesiger Gegend den Rückweg nicht wiederfinden würden, ließ man nicht gelten.
Doch nur wenige Schritte ungestört, denn eine ehemalige Flachsröte, in welche die Unglücksraben hineingeraten waren, war zu hoch mit Wasser gefüllt, sodass ihre Festtagskleider bis zu reichlich halber Manneshöhe vollständig durchnässt wurden.
Auch dieses Hindernis wurde überwunden, und weiter ging es durch dick und dünn über Gräben und durch Wald, ohne dass sie einen Menschen antrafen ,der ihnen den rechten Weg zeigte. Völlig erschöpft ließen sich schließlich beide in einem Fuhrenwald nieder und beschlossen, unter freiem Himmel zu übernachten.
Doch was war das? "Ziegengemecker!", riefen beide wie aus einem Munde. Wo solche Laute ertönen, dachten sie, müssen Menschen wohnen, und frohen Mutes waren beide bald wieder auf den Beinen und standen bald hinter dem erleuchteten Fenster eines Wohnhäuschens. Bereitwillig wurde den Einlass Begehrenden auf ihr Klopfen die Tür geöffnet, und gastfreundlich wurden sie von einem alten Mütterchen aufgenommen. Diese gewährte den Bittenden Nachtquartier. Schnell wurde frisches Stroh in die Betten gebracht und im Übrigen die Lagerstätten sauber hergerichtet.
Als sich unsere beiden Kaufleute am nächsten Morgen erhoben hatten, stand Kaffee und Kuchen zu ihrer Stärkung auf einem Tische bereit. Die Frage, wie die gute Frau zu solch schönem Kuchen käme, beantwortete sie mit: "Dat is tom groten Brokser Markt so Mode." Beide ließen es sich gut schmecken und bezahlten das doppelte des geforderten Logispreises. Das alte Mütterchen zeigte den Fremden den Weg nach Vilsen, und bald standen die beiden Reiseonkels vor dem verblüfft dreinschauenden Hotelwirt, erzählten diesem ihre Erlebnisse und nannten auch den Namen der gastfreundlichen alten Mutter. "Na, dann haben Sie diese Nacht einmal im Armenhause logiert, meine Herren", belehrte sie der ums Geschäft gekommene Hotelwirt.
Aus dem Hoyaer Wochenblatt vom 21. September 1905
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