Sulingen - Die 40 Kilogramm schwere und 130 Grad heiße Masse aus Zucker und Glukosesirup hat es in sich: Wer sie auf dem Kühltisch mit Aromen vermengt, braucht jede Menge Kraft in den Armen.

© Mediengruppe Kreiszeitung / Suling
Lakritzbonbons mit einem Kreuz drauf – das traditionelle Marktbonbon.
Die hat Anatoli zweifellos: Langsam lässt der Mitarbeiter der Firma „Fischer fine sweets“ 40 Gramm Chlorophyllin auf die Masse tropfen und rührt es anschließend ein.
Das natürliche Blattgrün sorgt für die grüne Farbe – und schließlich für leckere Waldmeister-Bonbons. Die werden bei „Fischer fine sweets“ in Sulingen in Handarbeit hergestellt und auch auf dem Brokser Heiratsmarkt verkauft. „Dort haben wir einige Kunden“, erzählt Matthias Merkle beim Rundgang durch die Produktion.
Eine Süßigkeit wie die Goldnuss aber hat es in sich: Immerhin besteht sie aus vier verschiedenen Lagen. Ein spezieller Produktionsprozess steckt dahinter. „Das ist das stärkste Bonbon, was wir haben“, sagt Merkle. Mehr als 100 Sorten Bonbons werden in Sulingen gefertigt, die Schausteller greifen auf besondere Sorten zurück. So stapeln sich Goldnüsse, Waldmeister-Bonbons und Lakritze in Fünf-Kilo-Beuteln im Lager – das sind Gebindegrößen, die die Großkunden für die Märkte benötigen. Die Lakritze mit dem Kreuz drauf ist das wohl klassischste Markt-Bonbon. Auch Mandeln werden in Sulingen gebrannt. Obwohl viele Schausteller noch selbst brennen, kaufen sie häufig Mandeln zu. Wer dagegen als Endkunde nur kleine Bonbon-Mengen benötigt, wird im Sulinger Werksladen oder im Internet-Shop fündig.
Für ständigen Nachschub sorgen insgesamt 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen beschäftigt. In diesem Jahr stößt ein Auszubildender dazu, der dort zur Fachkraft für Süßwarentechnik in der Fachrichtung Zuckerware ausgebildet wird. Er steigt dann in die Produktion ein, die täglich eineinhalb Tonnen Bonbons herstellt. Eine Menge, die bei großen Süßwarenfirmen in einer halben Stunde über vollautomatisierte Bänder läuft. In Sulingen dagegen geht man es ruhiger an, hier zählt vor allem die Handarbeit. Und die Offenheit: „Viele Hersteller mauern, wir aber verstecken uns nicht“, sagt Merkle, der gerne Betriebsführungen anbietet. Zudem führt er eine Tradition fort, die 1948 in der Sandstraße ihren Anfang nahm. Seit damals gibt es eine Bonbon-Manufaktur in Sulingen. Das soll auch so bleiben, trotz der Insolvenz, die „Fischer fine sweets“ aufgrund von Einnahme-Ausfällen Mitte Juli anmelden musste. Die Merkles wollen sich neu aufstellen und ihr Unternehmen fortführen. Damit süße Naschereien auch in den nächsten Jahrzehnten noch in Sulingen hergestellt werden.
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